VISION

WOHLSTAND NEU DENKEN

Wie wĂ€re es, wenn wir unseren Wohlstandsbegriff grundlegend hinterfragen? Könnte es nicht sein, dass vieles von dem, woran wir uns verzweifelt klammern, eigentlich ĂŒberfĂŒssig ist? Und könnte es nicht ebenso sein, dass unser einseitiges Streben nach materiellem Wohlstand uns zwingt, auf nichtmaterielle Formen von Wohlstand zu verzichten, die fĂŒr unser Wohlergehen und GlĂŒck jedoch von ĂŒbergeordneter Bedeutung sind? Anders ausgedrĂŒckt: Was wĂ€re, wenn wir die vielfĂ€ltgen Krisen unserer Zeit nutzen wĂŒrden fĂŒr einen Kurswechsel hin zu mehr LebensqualitĂ€t? Und wie könnte das konkret aussehen? Ich schlage einen Wohlstandsbegrif in fĂŒnf Dimensionen vor, der jene Aspekte des Lebens abdeckt, die in traditonellen Kulturen ganz selbstverstĂ€ndlich gegeben waren und uns heute schmerzlich fehlen: Zeit, gesunde Beziehungen, gelebte KreatvitĂ€t und SpiritualitĂ€t, sowie eine lebendige, tragfĂ€hige Verbindung mit der Natur. Ich nenne das „echten Wohlstand”. Dieser hat nichts mit Kontostand oder gesellschaflichem Status zu tun, er macht jedoch unsere LebensqualitĂ€t aus.

StiftungsgrĂŒnderin Vivian Dittmar stellt im Video die fĂŒnf Dimensionen von echtem Wohlstand vor
(15 Minuten)

BUCH ZUM THEMA

„Echter Wohlstand” skizziert die Grundpfeiler eines Lebens, das in einer völlig neuen Weise reich ist: reich an Zeit, erfĂŒllenden Beziehungen, KreativitĂ€t, Verbundenheit mit den Mysterien des Lebens und der unbĂ€ndigen Schönheit der Natur. Ein Weckruf fĂŒr eine echte Wohlstandsgesellschaft und fĂŒr das, was wirklich wichtig ist.

LESERSTIMME

„Vivian Dittmar schenkt uns mit ihrem Buch einen radikalen Einblick in das, was in unseren Werten und unserer Lebensweise in eine lebensfeindliche Spur missraten ist. Sie nimmt die LeserInnen mit auf eine Reise persönlicher Erfahrungen und Erkenntnisse. Dies geschieht authentisch, aus dem Herzen, mit Weisheit und Liebe zum Leben. Das berĂŒhrt und verbindet. Die VerknĂŒpfung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit lebendigen Geschichten sowie Impulsen zur persönlichen Reflexion hat mein Verstehen vom Reichtum des einfach MenschSein erweitert und vertieft. Vivian ermutigt, zeigt Perspektiven auf, gibt Hoffnung, weckt Sehnsucht, macht Lust auf Handeln. Danke Vivian.”

Margret Rasfeld
Bildungsinnovatorin und GrĂŒnderin ‚Schule im Aufbruch‘

Zeitwohlstand: die Chance, zu entschleunigen
Das Empfinden, keine Zeit zu haben, ist bei uns so weit verbreitet, dass es eigentlich schon normal ist. Dabei ist Zeit nicht etwas, das man hat oder nicht. Sie ist ein PhĂ€nomen, das wir erleben und dem wir alle unterworfen sind. Doch je mehr wir versuchen in einen Tag, eine Woche oder einen Monat hineinzupacken, desto weniger Zeit scheinen wir zu haben. Zeitwohlstand erschließt sich also nicht durch Beschleunigung, sondern durch das genaue Gegenteil. Indem wir bewusst entschleunigen und dabei auch lernen, regelmĂ€ĂŸig innezuhalten, erkennen wir neu, was gerade wirklich wichtig ist. Modelle wie die Postwachstumsökonomie sehen eine Wochenarbeitszeit von zwanzig Stunden Erwerbsarbeit pro Woche vor, so dass Zeit bleibt fĂŒr Beziehungspflege, politisches Engagement und die Entfaltung unserer Talente.
Beziehungswohlstand: die Chance, uns wieder nÀher zu kommen
Die Anzahl und StabilitĂ€t naher Beziehungen hat in den letzten Jahrzehnten in den reichen Industrienationen bestĂ€ndig abgenommen. Wir vereinzeln und vereinsamen immer mehr, mit verheerenden Folgen fĂŒr unsere Gesundheit und den sozialen Zusammenhalt. Beziehungswohlstand entsteht, wenn wir unseren Verbindungen mit anderen Menschen wieder bewusst eine hohe PrioritĂ€t einrĂ€umen und neue Netzwerke entstehen lassen, die uns wirklich tragen – das gilt im Job genauso wie privat. Ein erster Schrit darin kann sein, dass wir bewusst darauf verzichten, Probleme mit Geld zu lösen, und statt dessen bewusst auf Kooperationen setzen. Sich in dieser Form aufeinander zu verlassen, ist ein natĂŒrliches menschliches BedĂŒrfnis und schafft ein völlig anderes Erleben von Sicherheit.
KreativitÀtswohlstand: die Chance, Arbeit neu zu entdecken
In einer Zeit, wo wir auf Knopfdruck die weltbesten SĂ€ngerinnen, Schauspieler und Entertainer prĂ€sentiert bekommen, scheinen die Talente von unzĂ€hligen Menschen tragisch ĂŒberflĂŒssig. Ähnliches ist im handwerklichen Bereich geschehen: Jedes Produkt ist heute nur einen Mausklick entfernt, warum also noch etwas selber machen? Diese Entwicklung verkennt, dass der kreative Akt an sich fĂŒr uns Menschen von ĂŒbergeordneter Bedeutung ist. Nur dort entsteht jener magische Zustand, der in der GlĂŒcksforschung als Flow bezeichnet wird: Wir verlieren uns komplet in einer TĂ€tgkeit, vergessen Hunger, Durst, Profitdenken und Zeit. Und vor allem: Wir sind glĂŒcklich! In den KreativitĂ€tswohlstand eines Unternehmens oder einer Gesellschaft zu investieren, kann beispielsweise bedeuten, Produktionsprozesse bewusst so zu gestalten, dass sie möglichst viele Menschen einbinden statt möglichst wenige und dass die anfallende Arbeit Freude macht.
Spiritueller Wohlstand: die Chance, Sinnvolles zu tun
In vielen traditonellen Kulturen war SpiritualiĂ€t ein ganz selbstverstĂ€ndlicher Teil des Alltags. Es war keine Glaubensfrage, sondern eine Lebensweise. Diese gab Menschen auch in schwierigen Zeiten Halt und nĂ€hrte sie auf eine ganz eigene, von außen schwer nachvollziehbare Art. Heute entdecken immer mehr Menschen auch in unserem Kulturkreis neu, wie wichtig eine solche innere Anbindung an das Leben ist. Sie praktizieren Yoga oder Achtsamkeit, pilgern auf dem Jakobsweg oder integrieren einfache Rituale in ihren Tagesablauf. Unternehmen investieren in spirituellen Wohlstand, wenn sie sich auf eine sinnstiftende Mission ausrichten und ihren Erfolg in Wirksamkeit statt in Profit messen.
Ökologischer Wohlstand: die Chance, unsere Beziehung zur Natur zu heilen
Die Annehmlichkeiten des modernen Lebens haben uns zunehmend von den vielfĂ€ltigen Verbindungen entfremdet, die uns erhalten. MobilitĂ€t und Digitalisierung machen uns ortsunabhĂ€ngig, globale Lieferketten sorgen dafĂŒr, dass wir keinerlei Bezug mehr zu den UrsprĂŒngen unserer Nahrung und anderer Produkte haben, die unsere essentiellsten BedĂŒrfnisse stillen. Das alles ist natĂŒrlich sehr praktisch, doch es fĂŒhrt zugleich zu einer großen Halt- und Bezugslosigkeit – von den verheerenden Folgen fĂŒr die Ökosysteme ganz zu schweigen. Ökologischer Wohlstand bedeutet nach und nach, alle Verbindungen zu heilen, die uns erhalten, und neue, gesunde Beziehungen aufzubauen. FĂŒr Unternehmen kann Investition in ökologischen Wohlstand beispielsweise bedeuten, Schritt fĂŒr Schritt alle Wertschöpfungsketten in Kreislaufprozesse umzustellen.
Langsamer – Tiefer – NĂ€her
Wenn wir uns auf diese fĂŒnf Dimensionen von nicht-materiellem Wohlstand ausrichten, wird unser Leben auf eine völlig neue Weise reich: an Zeit, an Beziehungen, an KreativitĂ€t, an Kontakt mit dem Mysterium des Lebens und der unbĂ€ndigen Schönheit der Natur. An die Stelle des altbekannten Schneller-Höher-Weiter tritt ein neues Langsamer-Tiefer-NĂ€her. Die Pionierunternehmen der Nachhaltigkeitsszene haben seit Jahrzehnten Best-Practice-Beispiele entwickelt, wie unternehmerischer Erfolg aussehen kann, der bewusst diese nicht-materiellen Wohlstandsformen an erste Stelle setzt, und zwar fĂŒr alle Stakeholder. Jetzt ist es an der Zeit, dass der Rest der Gesellschaft und der Wirtschaft nachziehen, damit wir gemeinsam aus der grĂ¶ĂŸten Herausforderung aller Zeiten die grĂ¶ĂŸte Chance machen. Denn: Ein wirklich gutes Leben steht nicht im Widerspruch zu dem dringend notwendigen ökosozialen Wandel, sondern wird im Gegenteil dadurch erst ermöglicht.

Vortrag von StiftungsgrĂŒnderin Vivian Dittmar im Rahmen der em-Tage zum Thema
(42 Minuten)